Review: Host Europe Root Server Professional M

Im März 2012 hat der Hosting-Anbieter “Host Europe” seine Root-Server-Angebote überarbeitet. Die neuen Root-Server stellen quasi “Hybriden” zwischen vServern und herkömmlichen dedizierten Servern dar, welche die Vorteile beider Technologien kombinieren sollen. Damit setzt Host Europe bei seiner Root-Server-Palette vollständig auf Hardwarevirtualisierung mithilfe der Parallels Server Bare Metal-Technologie.

Da ich grundsätzlich für sämtliche Neuerungen der Hosting-Branche offen bin, habe ich bei Host Europe nach einem Test-Server gefragt und diesen auch erstaunlich unkompliziert (genau eine Twitter-Nachricht hat’s gebraucht, danke dafür!) für eine Woche zum Testen bekommen.

Die Root-Server werden in zwei Baureihen angeboten. Bei der günstigeren “Professional”-Serie teilen sich immer mehrere Server ein Hostsystem (ähnlich wie bei herkömmlichen vServern), bei der teureren “Premium”-Serie läuft auf jedem Hostsystem nur ein vollvirtualisierter Server. Doch auch bei der Professional-Serie sollte man sich keine Gedanken über die Performance machen müssen, denn die Ressourcen der einzelnen Server werden garantiert vergeben.

Wenn ein Server z.B. mit 4 vCores angeboten wird, dann sind diese 4 Kerne (bzw. Threads bei HT-Technologie) im Hostsystem fest für diesen Server vergeben und können auch nicht von einem anderen Server, der auf dem gleichen Hostsystem liegt, mitbenutzt werden. Ein weiterer Unterschied zu vServern liegt darin, dass jeder Server ein eigenes, dediziertes Hardware-RAID1 zugeteilt bekommt, was eine gleichbleibende IO-Performance garantiert. Für das auf dem Server installierte Betriebssystem sieht es so aus, als wäre nur eine einzige Festplatte verbaut, denn der RAID-Verbund wird von Host Europe verwaltet.

Durch die verwendete Virtualisierungs-Technologie ist es problemlos möglich, eigene Kernel-Versionen oder Betriebssysteme zu installieren. Dazu besteht die Möglichkeit, ISO-Dateien bis zu einer Größe von 5GB einzubinden, um anschließend über einen VNC-Zugang das gewünschte System installieren zu können. Natürlich ist es zur vereinfachten Installation auch möglich, ein vorgefertigtes Template zu verwenden. Ein weiterer Vorteil der Virtualisierung ist die von herkömmlichen vServern bekannte Möglichkeit, einfach und automatisiert Backups zu erstellen und wieder einzuspielen.

Der von mir getestete Root Server Professional M besitzt 4 vCores, 16GB RAM und 1TB Festplattenspeicher. Das verwendete Hostsystem besitzt eine Intel Xeon CPU E5649 mit einer Taktfrequenz von 2,53GHz.

Netzwerk: Host Europe garantiert eine Bandbreite von 100Mbit/s, die auch zu Stoßzeiten erreicht werden soll. Downloadtest einer 100MB großen Datei aus dem Cachefly-CDN:

root@rs200087:~# wget cachefly.cachefly.net/100mb.bin -O /dev/null
--2012-05-26 11:54:34--  http://cachefly.cachefly.net/100mb.bin
Resolving cachefly.cachefly.net... 140.99.93.175
Connecting to cachefly.cachefly.net|140.99.93.175|:80... connected.
HTTP request sent, awaiting response... 200 OK
Length: 104857600 (100M) [application/octet-stream]
Saving to: “/dev/null”

100%[================================================================================================>] 104,857,600 57.0M/s   in 1.8s

2012-05-26 11:54:36 (57.0 MB/s) - “/dev/null” saved [104857600/104857600]

Im Gegensatz zu den versprochenen 100Mbit/s erreicht der Server Download-Raten von ca. 450Mbit/s. Bei einem Download einer 700MB großen Debian-ISO-Datei von cdimage.debian.org liegen die Übertragungsraten bei ca. 40MB/s, also auch wieder deutlich über den versprochenen 100MBit. Der ausliefernde Server, der durch den Loadbalancer des Debian-Mirrors zugeteilt wurde, war napoleon.acc.umu.se.

Ping: Mein DSL 3000-Anschluss der Telekom über WLAN erreicht Ping-Zeiten von ca. 40ms. Eine direkte Verbindung über LAN-Kabel kann ich mangels Verkabelung leider nicht testen. Weltweite Ping-Tests über just-ping.com sind hier verfügbar.

Festplatte: Aufgrund der eingesetzten Virtualisierung war es mir nicht möglich, das eingesetzte Festplatten-Modell zu ermitteln.

  • Lese-Test mit hdparm:
    root@rs200087:~# hdparm -t /dev/sda
    
    /dev/sda:
     Timing buffered disk reads: 2236 MB in  3.00 seconds = 745.28 MB/sec

    Die Lesegeschwindigkeit 745.28 MB/s ist einfach nur richtig schnell. Auch bei mehrfacher Ausführung dieses Tests ändern sich die Lesegeschwindigkeiten nicht signifikant, sodass Messfehler ausgeschlossen werden können.

  • Schreib-Test mit dd:
    root@rs200087:~# dd if=/dev/zero of=test bs=64k count=16k conv=fdatasync
    16384+0 records in
    16384+0 records out
    1073741824 bytes (1.1 GB) copied, 4.18072 s, 257 MB/s

    Die Schreibgeschwindigkeit von 257 MB/s liegt auch deutlich über meinen Erwartungen. Ich würde die Geschwindigkeit für einen Server dieser Preisklasse als “schnell” bezeichnen. Leider fehlen mir hier noch ein wenig die Erfahrungswerte, um die Geschwindigkeit für einen Root-Server richtig bewerten zu können. Vielleicht mag jemand über die Kommentarfunktion helfen und Vergleichswerte posten?!

  • Zugriffszeiten mit ioping:
    ./ioping . -c5
    4096 bytes from . (ext3 /dev/disk/by-uuid/...): request=1 time=0.3 ms
    4096 bytes from . (ext3 /dev/disk/by-uuid/...): request=2 time=0.5 ms
    4096 bytes from . (ext3 /dev/disk/by-uuid/...): request=3 time=0.6 ms
    4096 bytes from . (ext3 /dev/disk/by-uuid/...): request=4 time=0.7 ms
    4096 bytes from . (ext3 /dev/disk/by-uuid/...): request=5 time=0.4 ms
    
    --- . (ext3 /dev/disk/by-uuid/9cc886cd-98f3-435a-9830-46b316e2a20e) ioping statistics ---
    5 requests completed in 4004.6 ms, 2014 iops, 7.9 mb/s
    min/avg/max/mdev = 0.3/0.5/0.7/0.1 ms

    Die Zugriffszeiten liegen mit durchschnittlich 0,5ms relativ niedrig.

Benchmarks: Die Gesamt-Performance des Servers wird über die beiden Benchmark-Tools “GeekBench” und “UnixBench” ermittelt. Im GeekBench-Benchmark erreicht der Server eine Gesamtpunktzahl von 6148 Punkten. Getestet wurde auf einem 64 Bit Debian Squeeze-System. Die genauen Testergebnisse sind unter http://browse.geekbench.ca/geekbench2/view/699212 verfügbar.

Im UnixBench-Test erreicht der Server eine Gesamtpunktzahl von 3143,5 Punkten beim Test mit allen vier vCores.

------------------------------------------------------------------------
Benchmark Run: Sat May 26 2012 13:12:37 - 13:41:00
4 CPUs in system; running 4 parallel copies of tests

Dhrystone 2 using register variables       97288136.6 lps   (10.3 s, 7 samples)
Double-Precision Whetstone                    12975.6 MWIPS (9.9 s, 7 samples)
Execl Throughput                              14317.4 lps   (29.8 s, 2 samples)
File Copy 1024 bufsize 2000 maxblocks        536619.4 KBps  (30.0 s, 2 samples)
File Copy 256 bufsize 500 maxblocks          125685.6 KBps  (30.0 s, 2 samples)
File Copy 4096 bufsize 8000 maxblocks       1518786.3 KBps  (30.0 s, 2 samples)
Pipe Throughput                             8534176.3 lps   (10.0 s, 7 samples)
Pipe-based Context Switching                1145792.9 lps   (10.0 s, 7 samples)
Process Creation                              45258.9 lps   (30.0 s, 2 samples)
Shell Scripts (1 concurrent)                  18418.0 lpm   (60.0 s, 2 samples)
Shell Scripts (8 concurrent)                   2490.7 lpm   (60.0 s, 2 samples)
System Call Overhead                        6218438.8 lps   (10.0 s, 7 samples)

System Benchmarks Index Values               BASELINE       RESULT    INDEX
Dhrystone 2 using register variables         116700.0   97288136.6   8336.6
Double-Precision Whetstone                       55.0      12975.6   2359.2
Execl Throughput                                 43.0      14317.4   3329.6
File Copy 1024 bufsize 2000 maxblocks          3960.0     536619.4   1355.1
File Copy 256 bufsize 500 maxblocks            1655.0     125685.6    759.4
File Copy 4096 bufsize 8000 maxblocks          5800.0    1518786.3   2618.6
Pipe Throughput                               12440.0    8534176.3   6860.3
Pipe-based Context Switching                   4000.0    1145792.9   2864.5
Process Creation                                126.0      45258.9   3592.0
Shell Scripts (1 concurrent)                     42.4      18418.0   4343.9
Shell Scripts (8 concurrent)                      6.0       2490.7   4151.2
System Call Overhead                          15000.0    6218438.8   4145.6
                                                                   ========
System Benchmarks Index Score                                        3143.5

Die Gesamtpunktzahl ist wie das Resultat im Geekbench-Test für diese CPU recht gut. Auffallend ist, dass die CPU scheinbar wirklich nicht “oversold” wird, da im Vergleich zu Testresultaten mit allen 12 CPU-Threads der Host-CPU die Werte bei genau einem Drittel der “vollen” CPU-Leistung liegen. Demnach dürften sich immer 3 Server dieser Leistungsklasse auf einem Hostsystem befinden, genaueres werde ich aber noch durch den Support erfragen.

Fazit: Solider Server zum vergleichsweise niedrigen Preis. Interessant sind vor allem die Features, die bedingt durch die Vollvirtualisierung dazu kommen, wie Snapshot-Backups und die Möglichkeit, bei Problemen mit dem Hostsystem den Server einer anderen Hostmaschine zuzuordnen.

Die Festplattenleistung ist für ein RAID1-System wirklich hervorragend. Gerade umfangreiche und gut besuchte MySQL-Datenbanken dürften damit glücklich werden. Die CPU knickt auch bei anspruchsvolleren Aufgaben nicht gleich ein, und 16GB Arbeitsspeicher sollten auch nicht so schnell aufgebraucht sein. Insgesamt eignet sich der Server für mittelgroße bis größere Websites, sofern man die eingesetzte Software noch etwas optimiert.

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3 Kommentare.

  1. Für alle, die – wie ich selbst – dieses Serverodell insbesondere wegen der automatischen täglichen Backups in die engere Auswahl nehmen, möchte ich folgenden Beitrag nahelegen
    https://forum.hosteurope.de/viewtopic.php?f=64&t=11976

    Dort wird das wohl immer noch andauernde Problem mit den Backups (die gar nicht, bzw. nicht immer erstellt werden) diskutiert.
    Für mich ein entscheidender Punkt bei diesem Produkt.

  2. Das Ergebnis kann nicht nachvollzogen werden, da die Tests heute deutliche Unterschiede zu Tage tragen.
    Netzwerk liefert “nur” 14.3 M/s also ganz normale 100Mbit.
    Lesetest auf die Platte im Schnitt 389 MB/s
    Schreibtest auf die Platte 301 MB/s
    Einzig die Performance des ioping kann bestätigt werden

  3. Die Zugriffszeiten entsprechen leider nicht (mehr) der Realität. Auf einem Root-Server XXL habe ich folgendes gemessen:

    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=1 time=2.8 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=2 time=2.0 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=3 time=1.0 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=4 time=5.7 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=5 time=1.0 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=6 time=6.9 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=7 time=1.0 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=8 time=2.7 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=9 time=3.0 ms
    4096 bytes from . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2): request=10 time=9.0 ms

    — . (ext4 /dev/disk/by-uuid/a6d22aee-c0b7-401d-b1be-3c0e0a6205e2) ioping statistics —
    10 requests completed in 9042.9 ms, 284 iops, 1.1 mb/s
    min/avg/max/mdev = 1.0/3.5/9.0/2.6 ms

    Auf Nachfrage bei HostEurope wurde mir vom technischen Support mitgeteilt, dass dies der Normalzustand bei diesem Produkt sei.

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